Projekt Frauenbildungszentrum: lebensnah - visionär - unabhängig - vielseitig

Rundbrief Nr. 4/2004 September 2004

Liebe Rundbrief-AbonnentInnen,

der Herbst ist die Zeit reife Früchte zu ernten und den Boden für die neue Saat und den Winter vorzubereiten. Mit der Frauenpredigtreihe Gotteskünderinnen hat das Projekt Frauenbildungszentrum erstmals eine große Öffentlichkeit erreicht. Lebensnah, visionär, unabhängig und vielseitig haben Frauen und Männer die zehn Predigten engagierter Theologinnen in Bamberg erlebt. Mit der Dokumentation sind diese Früchte auch im Nachhinein zu genießen. Diese positive Erfahrung heißt es jetzt auch zu nutzen. In diesem Rundbrief erfahren Sie auch von neuen Vorhaben – dem interreligiösen Frauenprojekt und dem Seminartag „Hildegard von Bingen in Bamberg begegnen“.

Das Projekt lebt von den Frauen, die sich hier ehrenamtlich mit ihren Ideen und Tatkraft einbringen. Um das Frauenbildungszentrum unabhängig aufbauen zu können braucht es viele Menschen, die das Projekt auch finanziell fördern. Wenn Sie Interesse haben das Projekt mit einer einmaligen oder regelmäßigen Spende zu fördern, können Sie dies direkt auf unserer Homepage tun.

Wir wünschen jetzt viel Spaß beim Lesen und einen ertragreichen Herbst

Mirjam Elsel und Christine Hertrich

Inhalt:

Festlicher Abschluss der Frauenpredigtreihe "Gotteskünderinnen"

Artikel im Fränkischen Tag, 28. Juli 04

Kraft der Visionen beschworen Fröhlicher Ausklang und positive Bilanz der Frauenpredigten

In Fest- und Feierlaune versetzte die evangelische Pfarrerin Gisela Matthiae die Zuhörer zum Abschluss der Frauenpredigtreihe „Gotteskünderinnen“. So etwas hatte die ehrwürdige Bamberg Martinskirche wohl noch nicht erlebt. Als Clownin erzählte und kommentierte sie im schönsten Hamburger Dialekt biblische Geschichten völlig neu und löste viel Gelächter und Beifall in der gut gefüllten Kirche aus. In ihrer Predigt beschwor die Leiterin des Frauenbildungs- und Studienzentrums der Evangelischen Kirche in Deutschland die Kraft der Visionen. Alle Menschen, so lautete ihre Botschaft, seien Propheten, die im Geist Gottes und im Vertrauen auf seine Verheißungen die Welt verändern können – vorausgesetzt, man widerstehe der Versuchung, sich mit dem Althergebrachten zu begnügen, wie einst das Volk Israel, das sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurücksehnte. Auf die Situation der Kirche von Bamberg bezogen, könnte eine solche prophetische Vision lauten: Die Zukunft der Kirche wird nur mit Frauen sein oder gar nicht.

Im Anschluss an die Predigt traf man sich im Innenhof der Pfarrei zum Fest, bei dem der Frauen-A-Capella-Chor „Five for You“ aus Erlangen mit geistreichen und witzigen Liedern unterhielt. Eingeladen hatte das Projekt Frauenbildungszentrum, um den Erfolg der Frauenpredigten zu feiern. „Mit einer so großen Resonanz und Begeisterung für die Gotteskünderinnen hatten wir nicht gerechnet. Das ist sicher auch ein Zeichen dafür, dass im normalen katholischen Gottesdienst die Sichtweise und die Erfahrungswelt von Frauen meist völlig fehlt“, so zieht Christine Hertrich, Vorstandsfrau beim Verein Frauenbildungszentrum, Bilanz. Die Initiatorinnen hoffen deshalb, dass auch nach dem Ende der Veranstaltungsreihe die Themen und Anliegen in verschiedener Form aufgegriffen und weiter geführt werden. Den Bezug zum ursprünglichen Auslöser der Frauenpredigten bewerteten die Veranstalterinnen dagegen ganz nüchtern. „Am Beschluss der Bistumsleitung, keine Pastoralreferentinnen und –referenten mehr auszubilden und anzustellen, wurde trotz aller Proteste nichts verändert und es ist auch nicht zu erwarten, dass sich hier noch etwas bewegt“, so Mirjam Elsel vom Projekt Frauenbildungszentrum. Umso mehr brauche es deshalb Initiativen, die ohne den „Segen von oben“, unabhängig von engen kirchlichen Strukturen neue Wege gehen. Der Aufbau eines Frauenbildungszentrums in Bamberg, bei dem die Spiritualität und Lebensgestaltung von Frauen im Mittelpunkt stehen ist laut Elsel eine solche Initiative.

Rezension Dokumentation "Gotteskünderinnen"

Das Frauenbildungszentrum Bamberg e.V. ist Herausgeber dieser kleinen Schrift, die ein ungewöhnliches Projekt dokumentiert. Das Frauen Bündnis – eine kreative Antwort engagierter Frauen auf die Entscheidung der Bamberger Bistumsleitung, Ausbildung und Anstellung von Pastoralreferenten und -referentinnen mit sofortiger Wirkung zu beenden. Diese Frauen wollen zeigen, für wie verhängnisvoll und falsch sie die genannte Entscheidung halten, die die Wirkungsmöglichkeiten theologisch kompetenter Frauen weiter beschneidet, und sie entwickeln dabei Phantasie: Es soll einmal nicht nur mit Worten gestritten, sondern unmittelbar erlebbar werden, was Frauen in der Verkündigung bedeuten – Frauenpredigten! „Gotteskünderinnen“ könnten zugleich die Geschichte anderer Frauen erzählen, „ die etwas zu sagen hatten und die sich das Wort nicht verbieten ließen“ - ein Zitat aus der Predigt von Sabine Bieberstein.

Die Idee wurde realisiert, viele engagierte Theologinnen aus Bamberg und der näheren und weiteren Umgebung unterstützten das Projekt und waren bereit, sich zu beteiligen, manche noch am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn, andere mit der Erfahrung vieler Jahre oder schon längst in der Lage, zurückblicken zu können, wie die berühmte alte Dame der Theologie, Elisabeth Gössmann, für die das oben genannte Zitat in besonderer Weise zutrifft. Universitätstheologinnen also, Referentinnen, eine evangelische Pfarrerin brachten es fertig, an zehn Freitagen in diesem Frühjahr und Sommer Menschen in die Bamberger Martinskirche zu locken, manchmal an die 100, manchmal auch fast doppelt so viele.

Die ermutigenden Predigten, die diese Männer und Frauen erlebten und für die sie sich mit Beifall bedankten, kann man jetzt in einem handlichen Ringheft nachlesen. Vielleicht regen sie auch zum weiteren kreativen Umgang in ähnlichen Situationen an – Bambergs Krise ist ja keine singuläre Erscheinung. Ganz besonders aktuell könnte die Lektüre werden auf dem Hintergrund des neuen „Schreibens an die Bischöfe der Katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt“. Wer aufmerksam wahrgenommen hat, was Frauen hier über Frauen - auch über sich selbst zuweilen – aussagen, dürfte gut gerüstet sein, dem neuerlichen Deutungsanspruch der alten Männer in der römischen Kurie in vielem widersprechen zu können.

Bezugsquelle:
Die Dokumentation ist zum Preis von 10 € zu beziehen bei: Projektbüro Frauenbildungszentrum, Luitpoldstr. 21, 96052 Bamberg, Tel: 0951/29 71 59 64, E-Mail: info@frauenort.de (bei Versand werden 2 € Versandkosten berechnet) und im Buchladen Colibiri in Bamberg.

Margret Kolb, Bamberg

Frauenpredigt zum Aktionstag "Keine Gewalt gegen Frauen"

Frauenpredigt zum Internationalen Aktionstag „Keine Gewalt gegen Frauen“ 25. November, 17 Uhr in der Kirche St. Martin

Am 25. November werden jedes Jahr in aller Welt Aktionen durchgeführt, um für die Überwindung der Gewalt gegen Frauen zu kämpfen.

Auch in den Texten der Bibel und die Geschichte der Kirche wird Frauen auf vielfache Weise Gewalt angetan: Vergewaltigung, Mord, Frauenraub, Vertreibung, Ausschluss von gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und religiöser Beteiligung und Macht. Doch erzählt die Bibel auch immer wieder von starken Frauen, die der Gewalt widerstehen. Ihr Glaube verleiht heutigen Frauen den Mut, die Gewalt zu überwinden und lässt sie Stärkung und Heilung erfahren. Die Predigt hält Christine Hertrich. Die in Bamberg lebende Theologin arbeitet im attac Bundesbüro und ist Mitinitiatorin des Projekts Frauenbildungszentrums.

Die Frauenpredigten in St. Martin haben seit der Reihe "Gotteskünderinnen" schon eine kleine Tradition. Das Projekt Frauenbildungszentrum schafft so einen Ort an dem Theologie und Verkündigung von Frauen gehört und weitergegeben werden kann. Mit dieser Frauenpredigt wird der Gewalt gedacht, die Frauen angetan wurde und wird. Vor allem aber wird der Gottesdienst dazu ermutigen, sich der Gewalt gegen Frauen zu widersetzen. Im Anschluss gibt es die Möglichkeit zu Begegnung und Gespräch.

Weitere Veranstaltungen am Internationalen Aktionstag „Keine Gewalt gegen Frauen“ in Bamberg: 18.30 „Hinsehen und Handeln – Gewalt gegen Frauen verhindern“ Kampagne von Amnesty International in der Stadtbücherei Bamberg

Vorstellung Interreligiöses Frauenprojekt

Frauen haben je eigene unterschiedliche Orte, an denen sie ihre Spiritualität, ihre Religion, ihre Visionen leben und Kraft schöpfen. Diese Orte sind geprägt von der jeweiligen Religion, der Kultur, aber auch der persönlichen Lebenssituation und –biographie der Frauen. Voneinander zu wissen, die spirituellen Orte von Frauen aus anderen Religionen und unterschiedlichen Lebensphasen kennenzulernen, ist eine Vorraussetzung für ein gelungenes Miteinander, Vorurteile können in einem anderen Licht erscheinen und Dialog eröffnet werden. Die Erfahrungen anderer Frauen können bereichernd für das eigene Leben erfahren werden.

Initiiert von der Programm AG im Projekt Frauenbildungszentrum hat sich ein Kreis von Schlüsselfrauen aus unterschiedlichen Religionen zu einem interreligiösen Frauenprojekt zusammen gefunden. Vertreten sind Frauen mit christlichem, jüdischen und muslimischen Hintergrund. Das alltägliche Leben von Frauen steht im Mittelpunkt. Um miteinander erst einmal in der Gruppe ins Gespräch zu kommen, haben die beteiligten Frauen an einem Treffen zum Thema „Essen und Speisezubereitung“ von Traditionen, Vorschriften und der Praxis ihrer Religionen erzählt und persönliche Erfahrungen weitergegeben. Langfristig ist ein Projekt geplant, dass viele Frauen in Bamberg und Umgebung einbezieht. Wie dies aussehen kann, ob in Form einer Veranstaltungsreihe, offenen Treffen oder einem Tag der offenen Tür, steht noch nicht fest. Wer Interesse hat in der Gruppe mitzuarbeiten, kann sich im Projektbüro bei Mirjam Elsel melden.

Hildegardseminar am 1. Adventssonntag

Das Projekt Frauenbildungszentrum lädt Frauen ein Hildegard von Bingen in Bamberg zu begegnen.

Seminartag mit Prof. Elisabeth Gössmann und Maria Ries am 1. Advent, 28. Nov. 2004 im Marianum/Bamberg

Hildegard hat auf ihrer ersten Predigtreise (1158-1161) auch in Bamberg Station gemacht.
- wir werden ihre Spur aufnehmen
- wir wollen einige ihrer Impulse aufgreifen und für uns heutige Frauen lebendig machen
- Hildegard wird uns in ihren Texten, ihren Visionen und Klängen begegnen.
- auch das Besondere ihrer Heilkunde wird spürbar sein
- mit einer liturgischen Feier wird der Tag ausklingen

ORT:                    
Alte Bibliothek im „Marianum“ / Bildungshaus der Karmeliten Karmelitenplatz 1, 96049 Bamberg Tel: 0951-952970 www.marianum-bamberg.de

ZEIT:                    
Sonntag, 28. November 2004, von 9:30 bis ca. 18:00 Uhr

KOSTEN:              
35,00 € incl. Mittagsimbiss – Mitgliedsfrauen und erwerbslose Frauen 25,00 € Den Tagungsbeitrag bitte zum Seminartag mitbringen. Bei Absagen nach dem Anmeldeschluss müssen wir leider den vollen Tagungsbeitrag berechnen.

ANMELDUNG bis 19. November 2004 an: 
s. auch Anmeldeabschnitt   Projekt Frauenbildungszentrum Luitpoldstr. 21, 96052 Bamberg Tel: 0951-29715964, Fax: 0951-29715968 E-Mail: info@frauenort.de, Homepage: www.frauenort.de

SEMINARLEITUNG:
Prof. Elisabeth Gössmann lebt und lehrt in Tokyo und München, zahlreiche Veröffentlichungen und Seminare zur theologie- und philosophiegeschichtlichen Frauenforschung (besonders zu Hildegard von Bingen), u. a. Ehrendoktorin der Universität Bamberg.
spricht zum Themenkreis:
Hildegards Menschen- und Gottesbild Was kann Hildegard uns heutigen Frauen sagen
Maria Ries lebt und arbeitet als Heilpraktikerin in Kulmbach, Vorstandsfrau im Projekt Frauenbildungszentrum, zahlreiche Seminare zu Homöopathie, Hildegard-heilkunde und frauenspezifischen Themen (z. B. Wechseljahre als Chance oder Gespräche mit Müttern).
erschließt den Themenkreis:
Auf Hildegards Spuren und Dreiklang von Leben, visionärem Weg und Heilkunde

FLYER:
Wir freuen uns natürlich, wenn sie die Informationen zum Seminar an interessierte Bekannte und Freundinnen weiter geben. Flyer zum Verteilen oder Auslegen sind über das Projektbüro erhältlich.

Impressum:

Projekt Frauenbildungszentrum
Redaktion: Mirjam Elsel
Luitpoldstr. 21
96052 Bamberg

Telefon: 09 51 - 29 71 59 64
Fax: 09 51 - 29 71 59 68
E-Mail: info@frauenort-bamberg.de