Liebe Rundbrief-AbonnentInnen,
endlich sprießt das erste Grün hervor, das Leben bekommt in Straßencafes und Gärten Raum und Farbe. Das Wachsen und Blühen in der Natur macht Lust, gereifte Ideen in die Tat umzusetzen.
So geht es uns im Projekt Frauenbildungszentrum. Die erste Veranstaltung der interreligiösen Fraueninitiative „Zu Gast bei muslimischen Frauen“ war ein voller Erfolg und hat die Teamfrauen angeregt die Initiative weiter zu entwickeln. Mit dem Themenkreis Frauen – Religion – Kultur – Politik kann das Projekt an Profil gewinnen.
Bereits nächste Woche beginnt die Frauenpredigtreihe „Gotteskünderinnen“ in Bamberg. Zwischen Ostern und Pfingsten werden wieder Frauen lebensnah, visionär, unabhängig und vielfältig in der Kirche St. Martin von Gott künden. Wir freuen uns, dass wir sehr interessante Theologinnen für die Reihe gewinnen konnten.
Ihnen/Euch eine anregende Frühlings-Lektüre
Mit herzlichen Grüßen aus dem Projektbüro
Mirjam Elsel
Die Frauen des islamischen Kulturvereins waren die Gastgeberinnen der ersten Veranstaltung der interreligiösen Fraueninitiative Bamberg. Über 50 Frauen aus unterschiedlichen Religionen folgten der Einladung den Glaubensalltag muslimischer Frauen kennen zu lernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Räume der Moschee an der Coburgerstraße gehörten an diesem Abend ganz den Frauen. Das Neue und Fremde fing für die Gastfrauen bereits beim Ausziehen der Schuhe und Sitzen auf dem Moscheeboden an. Aysun Cebeci gab eine kurze Einführung in die wichtigsten Glaubenssäulen und Verpflichtungen im Islam. Die Studentin der Islamwissenschaften machte immer wieder auf die Bezüge unter den drei monotheistischen Weltreligionen aufmerksam. Im Anschluss verrichteten die muslimischen Frauen das rituelle Nachtgebet. Auch für sie eine neue Erfahrung, dies ausschließlich unter Frauen in der Moschee zu tun. Dabei übernahm Aysun Cebeci die Rolle der Vorbeterin und Marziyatullah Uduz, die Frau des Moscheegelehrten, die der Gebetsruferin. Das Hören der türkischen und arabischen Gebete, Lobpreisungen und Texte aus dem Koran und das Ausführen der Gebetshaltungen war für viele Besucherinnen eine ungewohnte Erfahrung. Es gab also genügend Gesprächsstoff in den gemischten Austauschgruppen beim Beisammensein im Lokal der Moschee. „Was sind die größten Schwierigkeiten, die eine muslimische Frau in der Ausübung ihres Glaubens in Deutschland findet?“, war die Frage einer Teilnehmerin. Mit Vorurteilen und Benachteiligung haben vor allem Kopftuch tragende Frauen zu rechnen, waren sich die muslimischen Frauen einig. Frau Cebeci betonte, dass die meisten Vorurteile jedoch auf Unkenntnis und Berührungsängsten mit der islamischen Religion und Kultur beruhen. Ganz wichtig ist es ihr auch, dass muslimische Frauen Deutsch lernen. „Nur so kann Miteinander Leben möglich sein.“ Ein liebvoll zubereitetes großes Büffet lud ein, beim gemeinsamen Essen noch länger zusammen zu sitzen. Nach dem großen Erfolg waren sich alle Beteiligten einig, eine solche Veranstaltung zu wiederholen.
Die Interreligiöse Fraueninitiative wird getragen vom Projekt Frauenbildungszentrum e. V.. Beteiligt sind außerdem Frauen des islamischen Kulturvereins, der israelitischen Kultusgemeinde, des AusländerInnenbeirats, der Maria Ward Schwestern und christliche Frauen. Die Initiative stellt den Glauben im Alltag von Frauen unterschiedlicher Religionen in Bamberg ins Zentrum.
Die interreligiöse Fraueninitiative lädt am Dienstag, den 5. April, um 19:00 Uhr zur zweiten Veranstaltung in der Reihe „Frauen wie du und ich“ in die Institutskirche der Maria Ward Schwestern (Holzmarkt 2) ein. Diesmal werden christliche Frauen aus Bamberg ihren Glauben im Alltag vorstellen. Nach einer kurzen Einführung gibt es die Möglichkeit an einer ökumenischen Vesper teilzunehmen, anschließend findet Begegnung und Austausch bei kleinen Speisen und Getränken statt. Die Sprache sollte dabei kein Problem sein, für türkische und russische Übersetzung ist gesorgt. Für die Veranstaltung wird um Anmeldung im Projektbüro gebeten.
Die Uhrzeit für die Veranstaltung am .1. Juli in der israelitischen Kultusgemeinde zur Feier des egalitären Minjan hat sich verändert. Wir treffen uns bereits um 18:15 Uhr. Alle angemeldeten Frauen werden benachrichtigt. Leider können für die Veranstaltung keine Anmeldungen mehr angenommen werden. Es gibt Überlegungen die Veranstaltung im Herbst zu wiederholen, Interessentinnen können sich im Projektbüro melden.
Die positiven Reaktionen der Teilnehmerinnen und das große Interesse der Presse haben es gezeigt: der Themenbereich Frauen – Religion – Kultur – Politik ist hochaktuell. Mit unserem Ansatz vom Alltag der Frauen auszugehen und Orte der Begegnung zu schaffen liegen wir genau richtig. Es geht eben nicht nur um den Austausch unter Fachfrauen aus den jeweiligen Institutionen. Diesem Anspruch gerecht zu werden, ohne dass die Veranstaltungen der Initiative ein zwar ein interessantes und gefragtes, aber wenig nachhaltiges Angebot werden, ist eine große Herausforderung. Schließlich geht es den Teamfrauen darum exemplarisch zu zeigen, wie in einer Stadt Frauen aus unterschiedlichen Religionen und Lebenskontexten zusammengebracht werden können und gemeinsam Leben gestalten können. Das setzt auch Prozesse innerhalb der eigenen Religion in Gang, wie bereits die Veranstaltung mit den muslimischen Frauen gezeigt hat. Ein solches Vorhaben braucht natürlich auch personelle und finanzielle Kapazitäten. Daher ist die interreligiöse Fraueninitiative dabei, die Einrichtung einer Projektstelle zu planen und Finanzquellen zu erschließen. Die Initiative wird weiterhin vom Projektbüro des Frauenbildungszentrum koordiniert. Wir werden an dieser Stelle regelmäßig über den aktuellen Stand berichten.
Zwischen Ostern und Pfingsten sind Frauen und Männer jeden Freitag, um 17:00 Uhr in die Kirche St. Martin in Bamberg zur Frauenpredigtreihe „Gotteskünderinnen“ eingeladen. Bereits im letzten Sommer ist die Reihe in Bamberg zu einer kleinen Institution geworden. Über 100 Frauen und Männer kamen jeden zweiten Freitag in die Kirche St. Martin, um Theologie von Frauen zu hören.
„Gotteskünderinnen - so nennt die Theologin Irmtraud Fischer die Prophetinnen des Alten Testaments. Propheten und Prophetinnen, das waren Frauen und Männer, die im Namen ihres Gottes politische Missstände, soziale Ungerechtigkeit und religiöse Verwirrungen im Volk Israel anprangerten. Solche Gotteskünderinnen braucht es heute mindestens genauso wie damals – im gesellschaftlichen, im politischen und im kirchlichen Umfeld“, so die Theologin Christine Hertrich vom Projektbüro in der Begrüßung der Predigtreihe im letzten Jahr. Mirjam Elsel, eine der Initiatorinnen meint, dass Theologinnen hierfür besondere Kompetenzen mitbringen. Mit ihrem Blickwinkel auf Gesellschaft, Kirche und Leben sprechen sie viele Frauen und Männer an. „Orte an denen die Theologie von Frauen zu Sprache kommt, gibt es immer noch zu wenige“, so Elsel. Die aktuelle Stellensituation in der katholischen Kirche lässt auch in Zukunft keinen Kurswechsel erwarten, befürchtet die Theologin. Die Sparbeschlüsse im Erzbistum Bamberg verschärfen diese Situation zusätzlich. Daher schaffen die Veranstalterinnen mit den „Gotteskünderinnen“ einen Ort, an dem Theologie und Verkündigung von Frauen zu Wort und Gehör kommen.
Als Predigerinnen konnten wieder engagierte Theologinnen aus ganz unterschiedlichen Arbeitsbereichen gewonnen werden. Zum Auftakt der Reihe am 8. April ist die Leiterin der Abteilung Kirche und Religion beim Rundfunk Berlin-Brandenburg, Friederike Sittler zu Gast. Bereits während ihrer Studienzeit in Bamberg hat sie sich für Frauen und ihre Theologie in den verschiedenen Universitätsgremien engagiert. In ihrer Predigt „Traumtänzerinnen verändern die Wirklichkeit“ zeigt sie konkrete Schritte und Projekte auf, mit denen sich Wirklichkeit verändern lässt.
Die Predigten werden im Rahmen einer von Frauen gestalteten Liturgie stattfinden, im Anschluss gibt es die Möglichkeit zum Gespräch in den Begegnungsräumen von St. Martin.
Wer Flyer und Plakate verteilen möchte, kann über das Projektbüro welche bekommen.
Projekt Frauenbildungszentrum
Redaktion: Christine Hertrich
Luitpoldstr. 21
96052 Bamberg
Telefon: 09 51 - 29 71 59 64
Fax: 09 51 - 29 71 59 68
E-Mail: info@frauenort-bamberg.de
An dieser Stelle werden wir alle Rundbriefe zum Nachlesen archivieren.